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200 Jahre jüdische Gemeinde in Diersburg 

    

 

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Diersburg ist eng verknüpft mit der reichritterschaftlichen Familie Roeder von Diersburg, die 1455 den Ort mit der Burg im Hintertal als Lehen erwarb. Nachdem die Burg im 30-jährigen Krieg schwer beschädigt und 1668 von den Franzosen endgültig zerstört wurde, erbauten die Roeder von Diersburg 1659 den Philippshof als neuen Familiensitz.

 In den folgenden Jahrzehnten nach dem Ende des Krieges, entstanden in der südlichen Ortenau zahlreiche jüdische Landgemeinden. Um ihre Dörfer, die in den langen Kriegsjahren große Schäden und hohe Bevölkerungsverluste erlitten, einen wirtschaftlichen Aufschwung zu ermöglichen, erlaubten die adeligen Herrschaften den Juden, sich in ihren Dörfern niederzulassen.

Das taten auch die Herren Roeder von Diersburg in den 30er-Jahren des 18. Jahrhundert. Die erste urkundliche Erwähnung eines Juden in Diersburg ist für das Jahr 1738 zu finden. Bereits 1759 gab es in Diersburg elf jüdische   Haushalte und im gleichen Jahr wird zum ersten Male die Existenz einer Synagoge belegt. 1773 wurde der jüdische Friedhof in der (heutigen) Bachstraße eingerichtet. Auf dem ältesten Grabstein ist als Sterbedatum der 3. 12. 1773 eingemeißelt. In diesem Grab liegt der einstige Gemeindevorsteher Josef Bruchsaler, der auch das Friedhofsgelände von den Roeders gekauft hat.

1791 erwarb Paul Kahn, der damalige Judenvorsteher, das Gewann „Strittmatt“ von der Roederschen Familie. Sein Wohnhaus steht heute noch - in der Talstraße 35. Das kleine Quartier „Strittmatt“ wird bis heute von den Diersburgern als „Judenstadt“ bezeichnet. Das Gelände wurde in sieben gleich große Parzellen unterteilt und an jüdische Familien weiterverkauft.

Dort wurde auch 1801 eine Synagoge erbaut. Im Umfeld der „Judenstadt“ befanden sich alle Einrichtungen, die für das jüdische Gemeindeleben wichtig sind: Synagoge, Ritualbad, Schule, Bäckerei und Metzgerei. Allerdings wohnten jüdische Familien auch außerhalb der „Judenstadt, z. B. in der Talstraße.

Die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder wuchs im 19. Jahrhundert stetig und erreichte 1855 mit 273 Mitgliedern ihre Höchstzahl, das waren ca. 24% der Dorfbevölkerung. Mit dem Emanzipationsgesetz für die Juden im Großherzogtum Baden von 1862, das diesen die volle bürgerliche Gleichstellung garantierte, begann dann eine Entwicklung, die zu einer stetigen Verringerung der jüdischen Dorfbevölkerung, nicht nur in Diersburg, führte.

Bis zu ihrer rechtlichen Gleichstellung waren die Juden in ihren beruflichen Möglichkeiten stark eingeschränkt. Der Besitz von Ackerland oder die Mitgliedschaft in den Zünften des Handwerks war ihnen verboten; deshalb betrieben die meisten Juden, so auch in Diersburg, Handel. In der Talstraße gab es einige kleine Geschäfte, die Handel mit Stoffen und Aussteuerwaren, Schuhen und Lederwaren, Eisenwaren, aber auch mit Vieh betrieben.

Die Diersburger, Juden wie Nichtjuden, lebten im 18. und 19. Jahrhundert in sehr bescheidenen Verhältnissen meist friedlich miteinander aber auch nebeneinander. So gab es im Ort einst drei „konfessionelle“ Gasthäuser: Linde (evangelisch), Hirsch (katholisch) und der jüdische Badische Hof in der Talstraße. Der Tanzsaal des Badischen Hofs wurde „überkonfessionell“ genutzt.

Nach dem Ende des I. Weltkrieges 1918, in dem auch sieben Diersburger Juden als Soldaten ihr Leben verloren, veränderte sich das Leben der deutschen Juden zunehmend. Der rassische Antisemitismus, der 1933 in der Machtübernahme der Nationalsozialisten gipfelte, vergiftete zunehmend das Leben der deutschen Juden, so dass Auswanderung für viele eine Option war. 1933 gab es in Diersburg noch 9 jüdische Haushalte mit 36, meist älteren, Personen.

Die Reichspogromnacht im November 1938, als in Deutschland die Synagogen brannten, jüdische Geschäfte geplündert und die ersten jüdischen Bürger ermordet wurden, war der Auftakt zu einem beispiellosen Verbrechen, das zur Vertreibung und Ermordung von Millionen Juden in ganz Europa führte. Die Synagoge in Diersburg wurde auf Grund der engen Bebauung in der Strittmatt nicht angezündet, sondern von Offenburger SA-Männern im Innern völlig demoliert.

Am 22. Oktober 1940 wurde dann auf Anordnung des badischen Gauleiters Wagner 6.500 Juden aus allen 137 badischen Gemeinden deportiert. Mit Zügen wurden sie in das am Rande der Pyrenäen gelegene französische Lager Gurs verfrachtet. Die 11 Juden, die noch in Diersburg lebten, wurden am frühen Morgen mit dem LKW nach Offenburg gefahren und mussten zusammen mit den Offenburger Juden am Bahnhof den Deportationszug besteigen. Fünf der Diersburger Juden starben in Gurs an den unmenschlichen Bedingungen; sieben wurden im Sommer 1942 nach Auschwitz gebracht und dort ermordet. Nach 200 Jahren wurde die Existenz der jüdischen Gemeinde im Ort ausgelöscht.


 

Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Deportation der badischen Juden nach Gurs am 22. Oktober 2020 um 19:00 Uhr in der evangelischen Kirche in Diersburg

Am 22. Oktober 2020 jährt sich zum 80. Mal die Deportation von 6.500 Juden aus Baden und der Pfalz in das südfranzösische Lager Gurs. Am „helllichten Tag“ wurden die jüdischen Bürger aus ihren Wohnungen geholt und auf LKW zum nächsten Bahnhof gefahren. Dort mussten sie dann in einen der Züge steigen, die sie in das Lager am Rande der Pyrenäen brachte.

11 jüdische Bürger aus Diersburg bestiegen zusammen mit den Offenburger Juden im Bahnhof der Stadt den Transportzug. Während fünf der deportierten Diersburger bereits in Gurs oder einem Nebenlager an den unmenschlichen Haftbedingungen starben, wurden sieben von ihnen 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020 findet um 19:00 Uhr in der evangelischen Kirche in Diersburg eine Gedenkfeier statt. Während der Gedenkfeier werden u. a. Zeitzeugenberichte badischer Juden über den Transport nach Gurs und die schrecklichen Lebensbedingungen im Lager verlesen. Die Gedenkfeier wird musikalisch von der Klezmergruppe „Le Chaim“ begleitet, deren Mitglieder aus der Region stammen.

Hierzu lädt der Historische Verein Hohberg und die evangelische Kirchengemeinde des Guten Hirten alle Interessierte herzlich ein.

Bernd Rottenecker, Historischer Verein Hohberg

 


 

Museumsbesuch in Corona Zeiten Ausstellung: Alltag unterm Hakenkreuz Historische Spurensuche zum Alltag unterm Hakenkreuz

 

Im vergangenen Jahr haben wir uns aufgemacht, in unseren Hohberger Ortsteilen anhand von zeitgeschichtlichen Dokumenten und historischen Gegenständen, Spuren zu suchen zum Alltag unterm Hakenkreuz. Wir konnten mit älter gewordenen Dorfbewohnern und noch lebenden Zeitzeugen sprechen, um etwas über die Zeit der Nazis in Dierburg, Hofweier und Niederschopfheim in Erfahrung zu bringen und hinter die Kulissen zu schauen.

Auch wenn Erinnerung anstrengend ist, nur wer sich erinnert, kann verantwortungsvoll mit der Geschichte umgehen, damit sich diese Verbrechen nie wiederholen! Erstaunlich groß war die Resonanz auf unsere Aufrufe. Es war nicht leicht, die zivilisatorische Haut ist sehr dünn. Manches war vergessen oder verdrängt. Doch unser Mut zum Fragen wurde belohnt. Die in die Jahre gekommenen Zeitzeugen haben viel zu erzählen. So konnten wir Zugang finden, zu Themen, für die es in unseren Archiven keine Protokolle und Zeitungberichte gibt.

Herzlichen Dank

Wir bedanken uns herzlich für die großartige Unterstützung und das große Engagement, für das vielfältige Material und für die vielen guten Gespräche. Leider können wir hier nicht alle fleißigen -weiblichen und männlichen- Helfer, Geber, Unterstützer und Förderer namentlich aufführen. Wir danken jedem einzelnen von ganzem Herzen. Gemeinsam haben wir viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit investiert. Gemeinsam ist es uns gelungen, eine überaus wertvolle Präsentation zusammenzustellen, die es wert ist, öffentlich gezeigt zu werden.

Führungen

Führungen im Hohberger Heimatmuseum können nur mit Einhaltung der entsprechenden Hygienemaßnahmen und Schutzauflagen für die Besucher-innen und nur nach der jeweils aktuell geltenden Verordnung angeboten werden!

Maskenpflicht und Hygieneregeln

Um Ihren Besuch auch während der Corona-Pandemie sicher zu gestalten und um die nötigen Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten, können wir immer nur einer bestimmten Anzahl von Besucher/ innen Zutritt gewähren. Beim Besuch der Ausstellungen besteht Maskenpflicht. Wir bitten Sie, den geforderten Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Besucher/ innen einzuhalten. Weiterhin gelten die Husten- und Niesetikette und das regelmäßige Händewaschen. Zusätzlich stehen Desinfektionsspender bereit. Zum Wohle aller: Bitte besuchen Sie das Heimatmuseum nur, wenn Sie sich gesund fühlen.

Bitte nehmen Sie Rücksicht aufeinander und bleiben Sie gesund! 

Herzliche Einladung

Wir laden herzlich zum Besuch im Museum ein und freuen uns über ihr Interesse. Wir wünschen Ihnen trotz der notwendigen Einschränkungen einen anregenden Besuch und freuen uns auf ein weiteres gutes Zusammenwirken und ihre freundliche Unterstützung!

Vorstandschaft Historischer Verein

Lucien Mutzig

Tel.: 07808 99259


 

Römersiedlung in Niederschopfheim immer ein Ausflug wert!

Etwas abseits von Niederschopfheim liegt die Römersiedlung schon. Aber ein Weg dorthin lohnt sich allemal. Nachdem der Historische Verein Hohberg in den letzten zwei Jahren durch viele ehrenamtliche Stunden die Grundmauern von Moos und Gräsern befreit hat, gibt die Anlage gut die Grundrisse der Gebäude der ehemaligen römischen Raststation wieder. Die Mitarbeiter der Gemeinde pflegen das umliegende Gelände und die vorhandenen Rastbänke mehrmals im Jahr. Unterstützt wird die Gemeinde dabei auch immer durch fleißige Helfer des Historischen Vereins. So wurden nun auch die Grasflächen innerhalb der Römersiedlung gemäht. Dadurch sind nun auch die Umrisse der Grundmauern gut erkennbar. Auch stehen für zurzeit die Tafeln mit Erklärungen und Hinweisen auf dem Gelände. Der Historische Verein plant hier die Anbringung von dauerhaften Tafeln, um noch besser das Leben und die Funktionen der Räume zu römischer Zeit zu erläutern. So lohnt sich gerade jetzt ein Fahrradausflug zur Römersiedlung nach Niederschopfheim. Folgt man den Hinweisschildern ab dem Parkplatz der Huber-Mühle an der Kreisstraße von Niederschopfheim nach Ichenheim, so ist das Ziel gut zu erreichen.

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Die Römersiedlung lädt auch unterm Jahr zu einer Besichtigung ein. Sie ist ab der Hubermühle ausgeschildert und gut mit Rad oder Auto zu erreichen. Auch für Schulklassen lohnt sich der Besuch! 

Informationen oder Rückfragen:

Tel. 07808 / 99259 oder

per mail an post@ historischer-verein-hohberg.de